Türkei-Panorama 2017-1

Das System ringt mit dem Tod.

Türkei-Panorama 2017-1

Ein Kommentar des ehemaligen Kriegsreporters Erdal Şimşek

 

Die nach dem Zweiten Weltkrieg anhand des Yalta-Vertrags gegründete Weltordnung versagte eigentlich schon bevor ein halbes Jahrhundert vergangen war. Sie befindet sich in der Verlängerung, doch stellt sie nach wie vor eine Gefahr für Milliarden von Menschen dar.

Diese Weltordnung, deren Fundament in 1945 in Yalta gelegt worden war, endete in 1991 mit der Perestroika-Politik des damaligen sowjetischen Oberhauptes Michail Gorbatschow. Doch diese ‚frühzeitige Zerstörung‘ erwischte unerwartet auch die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat. Interessanterweise wurde auch Sowjetrussland, obwohl es Mitglied dieser Fünfer Gruppe war, von der Perestroika überrascht. Diese fünf Länder mit den mächtigsten Wirtschaften und Rüstungsindustrien fielen mit der Perestroika plötzlich in die Leere. Sie versuchten, aus der Asche der alten Weltordnung einen  Phoenix erstehen zu lassen. Die Führungskraft dieser neuen Ordnung wurden die USA, obwohl sie erst seit 200 Jahren bestanden. Dieser Staat hatte leider nicht einmal einen Bürgertum. Denn für die Entstehung eines Bürgertums sind mindestens acht Generationen notwendig, es müssen also rund 400 Jahre vergehen.

Um diese neue Weltordnung zu legitimisieren, wurden wirksame Denker wie Fukuyama und Huntington eingesetzt. Danach wurde die neue Weltordnung unter George Bush in einen politischen/hegemonischen Krieg umgesetzt. Dass Vater Bush mit dem Trinity-Gruß die Besetzung Iraks vor den Weltmedien und der Weltöffentlichkeit als einen ‚heiligen Kreuzzug‘ bezeichnete, zeigte eindeutig, dass die Lebensquelle dieser neuen Ordnung auf dem Yalta-Vertrag von 1945 ruhte. Die seit Magna Carta sich ändernden und entwickelnden „europäischen Werte“ erlitten einen herben Schlag mit dem Satz von George Bush am Rande des Golfkriegs: „Ich beginne hiermit den heiligen Kreuzzug.“

Damals konnte sich das Gewissen Europas immer noch erheben. Intellektuelle, Schriftsteller, Akademiker, erhoben ihre Stimmen gegen diese Besetzung. Die Widerlegungen dieses Systems durch den spanischen Philosophen Santiago Alba Rico haben theoretisch das Fundament der Neuen Weltordnung erschüttert. Schon damals bezeichnete Rico diese Ordnung als „imperialistischer Räuber und Blutsauger“.

Tatsächlich ist es verwunderlich, dass es sich nach Zusammensturz kommunistischer Regime bei den Konfliktregionen einschließlich um Länder mit großen Energiereserven und Wirtschaftspotential handelt. In den Territorien von Afghanistan bis nach Algerien begannen plötzlich Gewalt und Terrorakte zu dominieren. In ihrer Ausgabe vom 6. Dezember 1993 schrieb die britische Zeitung „The Independent“, dass Osama bin Laden und seine Männer Friedenswanderer seien. Bin Laden und seine Terroristen wurden sogar als Heilige dargestellt, so wie Saddam Hussein in den 1980er Jahren gegen das iranische Regime als heldenhafter Krieger dargestellt wurde.

Doch nach einer Weile wurden aus diesen Menschen, die von der westlichen Zivilisation als „Heilige“ und Helden hochgejubelt waren, auf einmal Terroristen. Danach nahm Vater Bush mit dem Trinity-Gruß unsere Region unter Beschuss. In denselben Jahren entstand in Algerien eine blutrünstige Terrororganisation namens FIS, die unter der Maske des Islam agierte. Nachdem jedoch US-amerikanische Firmen mit Algerien Energieabkommen unterzeichneten, nahmen die Massenmorde der FIS plötzlich ein Ende und die Organisation löste sich auf. Leider verfolgten alle US-Präsidenten die hungrigen kolonialistischen Politiken der Kapitalisten um sich.

Der US-amerikanische Traum von der Neuen Weltordnung wurde für die gesamte Menschheit zum Albtraum. Es scheint, als würden die Vereinigten Staaten sämtliche Werturteile mit Füßen treten, um dieses ungerechte System bestehen zu lassen. Während die freiheitsliebenden Demokraten alle Intrigen anzetteln, damit die Welt ihren aktuellen chaotischen Zustand bewahrt, stellen sich die konservativen Republikaner, die angeblich gegen Freiheiten sind, dagegen. Selbst die Soziologie, Anthropologie und Politikwissenschaften versagen in Anbetracht dieses kontradiktorischen Umstandes. Die Souveränen, die das System ausschöpfen, beharren auf den würdelosesten Gewalt- und Terrorakten. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sagte jedoch: „Dieser Terror, den ihr heute ernährt, wird eines Tages euch selbst treffen.“ Leider hat der globale Terror heute auch den Westen in seinen Bann gezogen. Trotzdem auf diesem System der Neuen Weltordnung zu bestehen, bedeutet nichts anderes, als den globalen Brand des Terrors aufzuflammen. Jeder, allen voran die US-Bevölkerung und der Westen, warten gespannt darauf, ob der designierte US-Präsident Donald Trump auf dieser blutigen, kolonialistischen, normierten Ordnung beharren wird oder nicht. Allen Anschein nach fühlt auch er sich gestört von dieser Ordnung, und zwar in hohem Ausmaß.

 



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