Aus der Perspektive der Türkei (2017-01)

Die Evakuierung aus Aleppo und die Operation „Schutzschild Euphrat“.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-01)

Mit dem Jahr 2017 beginnt auch in Syrien eine neue Periode. Aus diesem Grund überprüfen die Akteure der Syrien-Krise ihre Position, erneuern die jeweilige Strategie. Ein wichtiger Akteur innerhalb Syriens sind die Turkmenen.

        Nach der Evakuierung aus Aleppo haben die meisten oppositionellen turkmenischen Gruppen in der Freien Syrien Armee Idlib verlassen. Viele nehmen nun an der Operation „Schutzschild Euphrat“ teil, die am 24. August 2016 unter Führung der türkischen Streitkräfte mit der Freien Syrien Armee und den turkmenischen Einheiten gegen das von der Terrororganisation IS kontrollierte Dscharablus eingeleitet wurde. Die turkmenischen Brigaden haben ihre Stationierung in Syrien fast abgeschlossen.

        Die turkmenischen Verbände haben bereits ein Quartier in dem Gebiet zwischen Azez und Dscharablus. Die Turkmenen kämpfen schon seit einiger Zeit heldenhaft gegen den IS-Terror, um ihre Territorien zu verteidigen. Die Teilnahme der turkmenischen Kämpfer an der Freien Syrien Armee wird die Verteidigung zwischen Azez und Dscharablus festigen und die Gruppen der Freien Syrien Armee vor Bab stabilisieren. 

        Wegen dem Wintereinbruch und um zivile Opfer in der Stadt zu vermeiden, wird in Bab nur sehr vorsichtig voranmarschiert. Derzeit leistet IS einen mindestens zehnfachen Widerstand wie gegen die PKK/YPG. Die Soldaten der Operation „Schutzschild Euphrat“ konnten zum Beispiel bisher 2335 Sprengsätze und 42 Minen entschärfen. An diesem Widerstand von IS hat zweifelsohne auch der Westen einen großen Anteil. Wegen der Verschiebung der Operationen gegen Raqqa und Mossul konnte die Terrororganisation IS zahlreiche Terroristen nach Bab verlegen.

        Mit der Befreiung von Bab will die Türkei einerseits IS einen schweren Schlag versetzen und andererseits die Öffnung eines PKK-Korridors im Norden Syriens verhindern. Die Stadt Bab ist für die im Norden Syriens vorgesehene Sicherheitszone von großer strategischer Bedeutung.

        Der Norden Syriens weist im Vergleich zu anderen Regionen des Landes zahlreiche Unterschiede auf. Dieses Gebiet muss mit dem südostanatolischen Gebiet und dem Norden Iraks gemeinsam bewertet werden. Südostanatolien, Nordsyrien und Nordirak wurden in der Ära des türkischen Imperiums als Diyarbakir, Aleppo und Mossul-Provinzen verwaltet.   

        Gegenwärtig gibt es zwischen Azez und Dscharablus etwa 150 Turkmenen-Dörfer. Auf der östlichen Seite des Euphrats reihen sich weitere 60 Turkmenen-Dörfer an. Zwischen Akcakoyunlu und Münbidsch gibt es etwa 50 Dörfer. Südlich von Münbidsch befinden sich 15 Turkmenen-Dörfer. Im Nordosten von Aleppo zwischen Cobanbey und Bab befinden sich auch etwa 50 Turkmenen-Dörfer. Zwischen Dscharablus und dem Euphrat-Nebenfluss Sacur Suyu befinden sich etwa 25 Turkmenen-Verwaltungsdistrikte sowie Dörfer und südlich von Sacur Suyu mehr als 20 turkmenische Landkreise. Bis Belih in Richtung Osten des Euphrat erstrecken sich weitere etwa 60 turkmenische Dörfer.

        Im Norden Syriens hat die Terrororganisation IS gegenüber der Türkei, und ihrer Verbündeten an Boden verloren. Wenn auch Bab von IS befreit wird, dann wird die Terrororganisation zum Großteil isoliert sein. Diese Situation könnte zwischen den von der Türkei unterstützenden Oppositionellen, der Terrororganisation PKK/YPG und dem Assad-Regime einen ernsthaften Konflikt um die von den IS kontrollierten Gebiete führen.

         In den nächsten Tagen werden die Turkmenen in der Operation „Schutzschild Euphrat“ und auch innerhalb von Syrien sowohl auf dem Feld als auch am Verhandlungstisch noch mehr in den Vordergrund treten. Sollte auch die internationale Gemeinschaft die Turkmenen unterstützen, könnten sie im Nahen Osten und in Syrien bei der Schaffung einer demokratischen sowie säkularen Ordnung eine bedeutende Rolle spielen. Die Turkmenen sind zu radikalen Gruppen distanziert und sollten die Turkmenen an Einfluss gewinnen, könnten sie die radikalislamistischen Gruppen sowohl im bewaffneten als auch intellektuellen Kampf bezwingen. So könnte Europa vor einer möglichen Flüchtlingswelle aber auch vor dschihadistischen Terrororganisationen geschützt werden.

 



Nachrichten zum Thema