Aus der Perspektive der Türkei (2017-42)

Vom Nahen Osten bis Afrika: Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-42)

             

              Ob nah oder fern zum Nahen Osten, Ereignisse spiegeln sich unbedingt wider oder stehen in Verbindung. Allem voran die Palästinenser-Frage, der Bürgerkrieg im Libanon, dann der Kriege in Afghanistan, der irakisch-iranisch Krieg und später die Besatzung des Iraks, der Arabische Frühling, die Konflikte in Jemen und Syrien haben den Anschein einer Reihenfolge. Darüber hinaus führen Ereignisse im Nahen Osten auch in anderen Geographien zu Vor- oder Nachbeben. Die Trennung von Indien und Pakistan und die darauffolgende Kaschmir-Frage, die Probleme in der Westsahara, auf den Philippinen, Eritrea, die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kaukasus-Republiken, die Teilung Sudans, die politische sowie militärische Strukturierung im Subsahara-Afrika können in dieser Weise bewertet werden.    

            Das Subsahara-Afrika und vor allem Nigeria sind seit einigen Jahren die Austragungsorte der Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Ein wichtiger Grund für diese Rivalität könnte der geometrische Anstieg der schiitischen Bevölkerungszahl im Subsahara-Afrika und vor allem in Nigeria sein. Nigeria ist nicht für das Subsahara-Afrika, sondern auch die ganze Welt ein sehr wichtiges Land. Nigeria gehört zu den wichtigen Erdöllieferanten der USA und verfügt über eine große muslimische Bevölkerung.

             Es ist eine Tatsache, dass die schiitische Bevölkerungszahl in Nigeria sehr rasch steigt. Darüber hinaus ist es auch bemerkenswert, dass im Subsahara-Afrika von Senegal bis Kenia eine weitverbreitete Schule des Sufismus existiert.  

            Als Folge der iranischen Unterstützung seit 1980 für alle afrikanischen Länder und der expansionistischen Politik hat sich eine schiitische Minderheit gebildet, die auch bewusst gebildet wurde. Das Subsahara-Afrika gehörte zu jenen Gebieten, in denen der Iran seinen gedanklichen Einfluss ausweiten wollte.

            Auf der einen Seite war es ein taktischer Schritt, dass Nigeria einen Platz sowohl in der saudi-arabischen als auch iranischen Politik einnahm. Der Iran rechnet damit, den Einfluss von Saudi-Arabien und Ägypten auf die afrikanischen Muslime im Rahmen seiner Agenda schwächen zu können. Um dies umsetzen zu können, stellt der Iran für eine lokale Kooperation eine schiitische Minderheit her und stärkt die bereits vorhandene schiitische Minderheit.

            Der Iran ist bemüht, die Zahl der Länder zu erhöhen, mit denen es gute Beziehungen aufnehmen kann, auch wenn diese Beziehungen nur oberflächlich bleiben. Der Iran-Afrika-Gipfel in 2010 in Teheran kann in diesem Zusammenhang bewertet werden. Aber trotz aller Vorstöße hat es der Iran nicht leicht, den großen Einfluss der USA und von Saudi-Arabien in Afrika zu erreichen. Deshalb ist es keine Überraschung, dass der Iran versucht, die schiitische Bevölkerung als Druckmittel gegen die Verwaltungen einzusetzen. Aber natürlich ist nicht daran zu denken, dass Saudi-Arabien den afrikanischen Kontinent dem Iran allein überlässt. Die Afrika-Reise des saudi-arabischen Außenministers und die diplomatischen Aktivitäten sind ein Beispiel dafür.    

            Die Bedeutung von Afrika für Saudi-Arabien steht auch im Zusammenhang mit der Sicherheit des Roten Meeres. Die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran beeinflusst nicht nur die Region selbst, sondern auch die Beziehungen der Region mit anderen Regionen. Der Rivalitätsbereich geht weit über den Nahen Osten hinaus bis ins Subsahara-Afrika. Gleichzeitig muss auch notiert werden, dass Nigeria die Beziehungen sowie Zusammenarbeit mit Israel ausweiten will und Israel als einen wichtigen Wirtschaftspartner betrachtet.

              Es hat den Anschein, dass der Vertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran nicht nur in der Region, sondern auch in anderen Regionen ausgetragen  wird. Deshalb ist es eine große Wahrscheinlichkeit, dass das Subsahara-Afrika die neue Adresse des Vertreterkriegs zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sein wird.

              Die Ereignisse im Subsahara-Afrika haben ideologische, wirtschaftliche und sogar soziologische Verbindungen zu den Ereignissen im Nahen Osten. In diesem Zusammenhang sind wir Zeugen von neuen Entwicklungen im Subsahara-Afrika, die sowohl die Region selbst als auch den Nahen Osten langfristig beeinflussen werden. In diesem Rahmen muss die Türkei ihre mittel- und langfristige Politik für das Subsahara-Afrika und den Nahen Osten mit Berücksichtigung dieser Angelegenheit planen.



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