Aus der Wirtschaftswelt (2017-45)

Die moderne Seidenstrasse.

Aus der Wirtschaftswelt (2017-45)

Die in China beginnende, sich über Anatolien und Mittelmeer bis nach Europa erstreckende Seidenstraße hat Jahrhunderte hindurch den Transport von Handelsgütern zwischen Ost und West gewährleistet. Gegenwärtig versucht China mit einer Initiative, mit der diese Straße wiederbelebt werden soll, die größte Handelsroute der Welt, „The New Silk Road“ also die moderne Seidenstraße zu errichten. Das sich auf 65 Länder erstreckende Projekt, darunter auch auf die Türkei, trifft auf 60 Prozent der Weltbevölkerung zu, also auf 4,4 Milliarden Menschen. Es wird vorgesehen, dass das Projekt, das 40 Prozent der globalen Wirtschaft umfassen wird, im Export mit Erschließung neuer Märkte und der Gewährleistung von Produktvielfalt den globalen Handel neu gestaltet. Eines der wichtigsten Ziele des Projektes ist, Eisenbahnlinien, Autobahnen, Flughäfen, Erdgas-Pipelines und weitere Infrastrukturprojekte zu verwirklichen und somit die interkontinentale Integration zu gewährleisten. Es wird erwartet, dass diese Initiativen zur Vervielfältigung der globalen Handelswege zum einen die Transportzeiten verkürzen und  zum andern die Kosten senken wird. Die als eine Brücke zwischen Asien und Europa dienende Türkei mit direkter Nachbarschaft zum Nahen Osten ist mit ihrer strategischen Lage einer der wichtigsten Faktoren des Handelsnetzwerkes zwischen Ost und West.

In diesem Zusammenhang wird die Verbindung der Seidenstraße nach Europa über die Türkei gewährleistet werden. Im Rahmen des „mittleren Korridors“ der modernen Seidenstraße wurden in der Türkei bislang die Mega-Projekte „Marmaray“ und „Yavuz Sultan Selim Brücke“ gebaut. Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke „Baku-Tiflis-Kars“ ist die wichtigste Etappe des Projektes „Mittlerer Korridor“ vollzogen worden. Es wird vorgesehen, dass die Kapazität der Eisenbahnstrecke „Baku-Tiflis-Kars“ von 1 Million Fahrgästen und 6,5 Tonnen Fracht mit der Zeit auf 3 Millionen Fahrgäste und 17 Millionen Tonnen Fracht erhöht wird. Mit Inbetriebnahme aller Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge wird die Reise von Peking nach Europa über die Strecke „Baku-Tiflis-Kars“ auf 12-15 Tage verkürzt werden. Die Streckenlänge der bislang von China nach Europa über Russland führenden Eisenbahnstrecke, wird mit Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke „Baku-Tiflis-Kars“ um 7 Tausend Kilometer verkürzt werden. Während die moderne Seidenstraße die strategische Bedeutung der Türkei in der Region erhöht, bietet sie auch eine wichtige Gelegenheit dazu, die künftigen wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Dass sich die Türkei am Verbindungspunkt der Ost-West Handelsroute zwischen Asien und Europa befindet, bietet ihr eine wichtige Gelegenheit, das reiche Kapital aus Asien anzulocken.  Diese Chance wahrzunehmen und in Vorteile umzuwandeln hängt von Beziehungen ab, die die Türkei mit ihren Handelspartnern führt und entwickelt. Ein anderer Punkt, der in diesem Projekt die Türkei in den Vordergrund rücken wird, ist die Energie.

Die Türkei befindet sich als ein Land, das neben Erdöl- und Erdgasrohrleitungen mit laufenden Energieprojekten auf dem Weg zu einem Zentrum im Energiehandel zu sein entschlossen voranschreitet, in dem Projekt „moderne Seidenstraße.“   Wenn die an Energiequellen reiche Nahost- und zentralasiatische Länder im Rahmen des Projektes Schritte für die Entwicklung ihrer Infrastruktur setzen können, werden sie sich für den Export dieser Quellen an die Türkei und an Europa wenden, die die größte Nachfrage an diese Quellen haben. Die sich auf dieser Energie-Transferroute auf der idealen Linie befindende Türkei wird mit der vorhandenen Energie-Infrastruktur einerseits ihren eigenen Bedarf decken, andererseits das Tor für diese Länder nach Europa öffnen. Die sich zwischen Asien und Europa für mögliche Energiebeziehungen ins Zentrum rückende Türkei wird im Falle der Verwirklichung eines der wichtigsten Ziele, nämlich der Energiebörse, für die Anlockung sowohl von regionalen als auch globalen Akteuren auf den Markt einen wichtigen Schritt setzen. Während im Endeffekt die Türkei einerseits die Chance bezüglich ihrer Lage für den Transithandel zwischen Ost und West auf modernen Seidenstraße wahrnimmt und damit ihren Exportmarkt erweitert und ein Teil des globalen Handelsnetzwerks wird, sollte sie andererseits ihre Schritte bezüglich des Ziels im Energiehandel ein zentrales Land zu sein, stärken.



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