Aus der Perspektive der Türkei (2017-46)

Aus der Perspektive der Türkei (2017-46)

Aus der Perspektive der Türkei (2017-46)

Die in Saudi Arabien wegen angeblicher Korruption in Angriff genommene Verhaftungswelle und der Rücktritt des libanesischen Premiers Saad Hariri während seines Saudi-Arabien-Besuchs haben die Aufmerksamkeit auf dieses Land gelenkt. Diese Woche werden wir im Zuge der Entwicklungen in Saudi Arabien die im Libanon nahende Krise analysieren.

In Saudi Arabien sind mehr als 30 hochrangige Funktionäre darunter 11 Prinzen, ihres Amtes  enthoben worden. Unterdessen trat der in Riad für verschiedene Kontakte weilende libanesische Ministerpräsident, Saad Hariri mit der Begründung, Hisbollah hätte ihm ein Komplott vorbereitet, zurück. Hariri warf dem Iran vor, durch Hisbollah den Libanon beherrschen zu wollen. Dass Hariri, der mit der Unterstützung von Hisbollah, den Posten des Ministerpräsidenten erlangte, Erklärungen von sich gibt, als würde er erstmals von den regionalen Aktivitäten des Iran hören, ist sehr interessant.        

Dieser Umstand bekräftigt die Behauptungen, wonach Hariri von Saudi Arabien zum Rücktritt gezwungen worden sei.  Nach diesen Entwicklungen kommt jedem, der sich für diese Region interessiert, folgende Frage in den Sinn; “Wird die Spannung zwischen Riad und Teheran sich über dem Libanon in einen warmen Krieg ausufern?

Zweifelsohne wird es für den Nahen Osten katastrophal sein, wenn diese Behauptungen sich bewahrheiten. Doch wenn diese Spannung weiter anhält, ist jede Wahrscheinlichkeit möglich. Gemäß der von den Franzosen im Jahre 1930 errichteten politischen Struktur, wird im Libanon der Staatspräsident unter den Christen, der Premier unter den sunnitischen Muslimen und der Parlamentspräsident unter den schiitischen Muslimen gewählt. Diese komplexe politische Struktur des Libanon liefert das Land Interventionen aus dem Ausland aus. Daher können einige westliche Länder, Saudi Arabien und der Iran sich in die inneren Angelegenheiten des Libanon einmischen. Während der Iran die Hisbollah als ein Einflussmittel nutzt, versucht Saudi Arabien sich über die Familie Hariri Platz zu verschaffen. Während die Region sich für die Krise in Syrien interessierte, wurde der Libanon aus den Augen verloren. Doch im Zuge der jüngsten Entwicklungen wurden die Augen auf den kriegsermüdeten Libanon gerichtet.

Die Entwicklungen in Syrien sorgten dafür, dass der Iran seinen Einflussbereich in der Region ausweitete. Die Reflexion dieser Expansionen im Libanon ist die Hisbollah. Der Iran hat den Einflussbereich, den er versucht in Syrien zu errichten, im Libanon schon früher hergestellt. Während Hisbollah in Syrien beschäftigt ist, stellt das Israel teilweise zufrieden.  Doch aus Sicht von Israel gibt es folgendes Problem: „Die Entwicklungen in Syrien haben Hisbollah noch mehr gestärkt. Während Israel zuvor nur von Hisbollah bedroht wurde, befinden sich nun in seiner unmittelbaren Nähe tausende vom Iran gesteuerte Milizen. Es gibt jene, die die Entwicklungen in Saudi Arabien aus der Perspektive der Innenpolitik und Wirtschaft bewerten.

Laut diesen Bewertungen nutzt Saudi Arabien die Antidiskurse gegen den Iran und Hisbollah aus, um den Machtkampf im Inland zu vertuschen.

Doch die Kriegsdrohungen von Saudi Arabien gegen den Libanon, könnten zu vieles mehr führen, als nur ein kleiner Gefecht zur Machtpräsenz  von Mohammed Bin Salman. Die von Saudi Arabien in Katar, Jemen und Syrien verfolgte Politik könnte im Nahen Osten zu neuen militärischen Konflikten ausufern.

Die Türkei sieht die Entwicklungen als eine innere Angelegenheit des Landes. Auf der anderen Seite hat Saudi Arabien nach der Katar-Krise und der Unterstützung für das Referendum im Norden des Irak seine Beziehungen zu Ankara nicht in die richtigen Bahnen gelenkt. Doch das Land hat auch keinen Schritt gesetzt, der die Beziehungen anspannen könnte. Beide Länder sind wahrscheinlich nicht der Ansicht, dass die Entwicklungen mit Libanon im Mittelpunkt einen direkten Schaden für die Beziehungen bilden werden. Ein möglicher Konflikt im Libanon wird dazu führen, dass Hisbollah ihre Präsenz in Syrien reduziert, was das Assad-Regime schwächen wird. Dass Hisbollah außen vor gelassen wird, kann den Bedarf an die Türkei erhöhen, was sich als eine vorteilhafte Konjunktur für die Türkei beim Kampf gegen PKK/YPG verschaffen kann. Ein eventueller Konflikt im Libanon wird erschweren, dass USA und Verbündete gegen die Operation der Türkei in Syrien gegen PKK/YPG etwas unternehmen können. Des Weiteren könnte der steigende Bedarf des Iran und Russlands in Syrien an die Türkei das Gleichgewicht ändern. Natürlich gilt diese Wahrscheinlichkeit bei einer Entwicklung mit Libanon im Mittelpunkt.

Wenn Saudi Arabien sich anstatt dem Libanon auf Katar begibt, könnte dies die türkisch-arabischen Beziehungen anspannen.

Der in Saudi Arabien unter dem Vorwand Kampf gegen Korruption begonnene Prozess und der Rücktritt von Hariri weisen im Nahen Osten vermutlich auf einen neuen Wendepunkt hin. Die Entwicklungen sind so komplex, dass sie nicht mit einem Regierungswechsel in Saudi Arabien erklärt werden können. Ein Regierungswechsel in Saudi Arabien könnte im Nahen Osten zu einem neuen Konflikt führen. Natürlich wird davon auch die Türkei beeinträchtigt werden. In Anbetracht der Turkmenen im Libanon, wird die türkische Diplomatie vermutlich eine aktive Neutralitätsstrategie verfolgen und sich einschalten, um beide Seiten von einem Konflikt fernzuhalten. Im Endeffekt könnte der Verlauf dieser Krise für die Türkei eine Chance oder eine Bedrohung darstellen. Die türkische Diplomatie wird vermutlich unter Beachtung dieses Umstands vorsichtig sein.



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