Aus der Perspektive der Türkei (2017-47)

Jemen, im Schatten der Vertreterkriege.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-47)

Der im September 2014 mit Angriffen der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen gegen die Regierung begonnene Bürgerkrieg im Jemen, hat auch zu einer der größten humanitären Krise der letzten Jahre geführt. Die legitime jemenitische Regierung und der Staatspräsident Mansur Hadi waren zur Flucht nach Saudi-Arabien gezwungen und mussten einen bewaffneten Kampf aufnehmen.

Der bewaffnete Kampf der eigentlich seit langen Jahren eingefrorenen Huthi-Bewegung kann auch als Reflexion des anhaltenden syrischen Bürgerkriegs interpretiert werden. Den pro-iranischen schiitischen Huthis trat die jemenitische Regierung entgegen, die von Saudi-Arabien unterstützt wurde. Unter dem Vorwand die schiitische Expansion zu verhindern leitete Saudi-Arabien eine Militäroperation ein. Die Operation des saudischen Regimes erhielt mit der Unterstützung der arabischen Golfstaaten, Ägyptens, Sudans, Pakistans und Marokkos in kurzer Zeit eine regionale Eigenschaft. Von den im Jemen in Verteidigungsposition stehenden Koalitionskräfte und insbesondere Saudi-Arabien wird der Jemen-Krieg als Widerstand gegen eine konfessionelle Expansion dargeboten.

Der bewaffnete Kampfprozess im Jemen ist nicht nur mit den genannten Akteuren beschränkt. Im Jemen kämpfen neben Militanten von Al Kaida und DAESH, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben, auch sunnitische Stämme gegen die Huthi-Rebellen. Aber dieser Widerstand der arabischen Koalition und lokalen Kräfte konnte nicht verhindern, dass die vom Iran unterstützte Bande einen Großteil Jemen unter Kontrolle brachte.  

Angesichts der Ereignisse im Jemen ist internationale Reaktion gegen den Iran zu sehen. Die Vereinten Nationen und zahlreiche Länder sehen die Hadi-Regierung immer noch als legitime Regierung an.

Die bis Anfang 2017 anhaltenden Vermittlungsbemühungen der UN für eine Waffenruhe scheiterten und die Gefechte im Jemen halten ohne jegliche Verhandlungen der Konfliktparteien an.

In den vergangenen Wochen konnten die aus den von Huthis kontrollierten Gebieten abgefeuerten Raketen auf Riad von dem saudi-arabischen Luftverteidigungssystem vernichtet werden. Dies zeigt wie sehr sich der Vertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien verschärft hat.  

Diesbezüglichen Analysen nach versucht der Iran die Gefechte im Jemen als Sprungbrett für die Verlegung des Konflikts auf die schiitische Bevölkerung in saudi-arabischen Gebieten zu nutzen. Dies legt die Tatsache dar, dass der Iran den Konfessionskonflikt als Mittel für eine regionale Abrechnung benutzt. Die Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition hingegen werden als einer der Hauptgründe für die Vertiefung der humanitären Krise betrachtet.

Auf der anderen Seite der Angelegenheit steht das jemenitische Volk, das von den Gefechten am meisten beeinflusst werden. Von den 27 Millionen Menschen im Jemen sind 17 Millionen Menschen auf sofortige humanitäre Hilfe angewiesen. Der Betriebsstopp der Häfen von Aden und Hudeyde haben zu einer Nahrungsmittelkrise sowie einer Epidemie geführt. In ganz Jemen sind der Alltag und die öffentlichen Dienste lahmgelegt. Im April trat eine Cholera-Epidemie auf, die sich bis Oktober auf mehr als 90 Prozent des Landes verbreitet hat. Bisher wurden etwa eine Millionen Cholera-Fälle registriert und mehr als 3000 Menschen starben an den Folgen der Epidemie.

Gründe für die Epidemie sind der Einbruch der Infrastruktur, die nicht mehr vorhandene medizinische Versorgung, die nur schwer zu erreichenden Trinkwasserquellen und die unzureichende Nahrungsmittelversorgung. Außerdem können internationale Hilfsorganisationen, einschließlich die Vereinten Nationen wegen der anhaltenden Gefechte im Jemen keine Hilfe leisten.

Eine der wenigen Ausnahmen ist die im Juli in der Türkei gestartete Hilfskampagne. Die Kampagne wurde auf Anordnung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Zusammenarbeit des Gesundheitsministeriums, der Behörde der Katastrophen- und Soforthilfeverwaltung des Ministerpräsidiums AFAD und dem Türkischen Roten Halbmond eingeleitet. Mit der Unterstützung von verschiedenen offiziellen und inoffiziellen Hilfsorganisationen wurden 120 Tonnen humanitäre Hilfsgüter im Wert von etwa 20 Millionen Dollar an Jemen geliefert. Zudem wurden Ende 2016 etwa 200 Kranke aus Jemen in die Türkei gebracht und behandelt.

Der erbitterte Konflikt im Jemen schadet zweifelsohne am meisten der Zivilbevölkerung. Im Jemen sind das Massensterben und Massenflucht zur Normalität geworden, die zu unvergesslichen Leiden führen werden. Der zwischen dem Iran und Saudi-Arabien in zahlreichen Gebieten des Nahen Ostens geführte Vertreterkrieg beeinflusst am meisten die Zivilbevölkerung.



Nachrichten zum Thema