Verbindung mit Afrika in einer multipolaren Welt

Verbindung mit Afrika in einer multipolaren Welt

Verbindung mit Afrika in einer multipolaren Welt

 Afrika verdient es, als gleichberechtigter Partner auf der Weltbühne behandelt zu werden. Heute braucht der Kontinent  nicht nur Ausbeutung auf neue Weise, sondern auch Gerechtigkeit und Stabilität.

Afrika ist so groß, dass ein einziges Partnerschaftsmodell der sozialen, wirtschaftlichen und geografischen Vielfalt nicht genügen kann. Die Verbindung mit Afrika erfordert einen phasenweisen Ansatz in einer multipolaren Welt. Die Türkei hat versucht in den letzten 10 Jahren im Rahmen dieses Prinzips die Verbindung zu Afrika herzustellen. 

Die afrikanischen Staaten kämpfen immer noch mit vielen anderen Schwierigkeiten, wie Kolonialerbe, Bürgerkriegen, Terrorismus, Korruption, Infrastrukturdefiziten, Entwicklungs- und Umweltproblemen. Gleichzeitig beherbergt Afrika mit seinen reichen natürlichen Ressourcen, einer jungen und dynamischen Bevölkerung und einer offenen Haltung gegenüber der Welt ein unglaubliches Potenzial. Die Türkei hat im Jahr 2005 die Politik der „Afrika-Initiative“ begonnen und dabei all diese Dynamiken berücksichtigt und sieht nun die Ergebnisse vor Ort. Ein typisches Beispiel hierfür sind die Beziehungen der Türkei zu Somalia. Das türkische Entwicklungsmodell, das in Somalia umgesetzt wird, hat den Bemühungen zur Gewaltverhinderung, und Herstellung der Sicherheit und der Entwicklung des Landes einen wichtigen Beitrag geleistet.

Auch wenn Somalia immer noch gegen Terrorismus und Armut kämpft sowie sich intensiv um eine starke Zentralregierung bemüht, befindet sich das Land in einer besseren Lage als vor fünf Jahren. Durch Investitionen der Behörden und Nichtregierungsorganisationen unterstützt die Türkei intensiv Somalia, wobei keine neuen Manifeste für Anhängigkeit sowie Ausbeutung, sondern eine Eigenständigkeit von Somalia angestrebt wird.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Türkei die Zahl ihrer Botschaften in Afrika von 12 auf 39 erhöht (diese Zahl wird in 2018 auf 41 steigen) und das Handelsvolumen mit den afrikanischen Ländern um das fünf- bis sechsfache ausgebaut. In den vergangenen Jahren hat Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan 24 afrikanische Länder besucht. Ferner sind zwei Türkei-Afrika-Gipfel veranstaltet worden. 

Obwohl aus wirtschaftlichem Aspekt betrachtet, viele afrikanische Länder reich an natürliche Quellen sind, kämpfen sie gegen Armut und Unterentwicklung. Auf der anderen Seite weist die Weltbank in einer neu veröffentlichtem Bericht auf folgende Feststellungen hin: „In der Region ist das Wirtschaftswachstum bei weitem unter dem Durchschnitt der Vorkrisen-Zeit. Zudem zeigt der allgemeine wirtschaftliche Ausblick immer noch Risiken. Ein mittelmäßiges Wirtschaftswachstum  wird sich im Zeitraum 2016/17 beim Pro-Kopf-Einkommen kaum bemerkbar machen und zudem nicht genug dafür sein, um Ziele für gemeinsamen Wohlstand und dem Kampf gegen Armut zu erreichen.“

Doch im gleichen Bericht steht aber auch folgendes: „Es wird in den Ländern unterhalb der Sahara ein kontinuierliche Erholung bei den Aktivitäten erwartet.  Mit dem stufenweisen Anstieg bei den Warenpreisen und dem Binnenkonsum sowie der Lockerung der Geldpolitik wird im Jahr 2018 das Wachstum auf 3,2 Prozent und in 2019 auf  3,5 Prozent steigen.“

Es gibt keinen Grund dafür, dass in den kommenden Jahren der afrikanische Wirtschaft nicht besser geht. Während der überwiegende Teil der globalen Wirtschaft sich auf eine Welt außerhalb des Westens bewegt, können afrikanische Länder Gelegenheit dafür haben, ihre Wirtschaften zu vervielfältigen.   Wenn die nationalen Prioritäten richtig bestimmt werden und eine entschlossene Haltung eingenommen werden kann, können der globale Wirtschaft und die Investitionen den Interessen der afrikanischen Länder dienen.

In solch einem Zusammenhang reiste Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in die afrikanischen Länder Sudan, Tschad und Tunesien. Diese erstmals aus der Türkei auf Staatspräsidentenebene verwirklichte Reise legte den Fokus auf den Ausbau bilateralen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Darüber hinaus wurden während der Reise in verschiedenen Bereichen dutzende Abkommen unterzeichnet. An der Begrüßungszeremonie nahmen tausende Menschen teil. Staatspräsident Erdogan hat neben Khartum auch die von den afrikanischen Pilgern als Hafen genutzte Insel Sawakin besucht. Die türkische Organisation für Zusammenarbeit und Koordinierung (TIKA) hatte auf dieser Insel zwei Moscheen und ein Hafengebäude restauriert, nun plant sie viele neue Projekte in die Tat umzusetzen. Mit anderen Großprojekten, bezweckt die Türkei in Sudan eine neue Landwirtschaftsinitiative. Ein ähnliches Bild war bei der Tschad-Visite zu sehen als 150 türkische Unternehmer mit den Zuständigen die Investitions-Möglichkeiten erörtern konnten. Tschad als eines der ärmsten Länder der Welt ist auf nachhaltige Unterstützung angewiesen. Bei den offiziellen Gesprächen in Tunesien, das tiefergehende und kulturelle Beziehungen zur Türkei unterhält, wurden neben wirtschaftlichen Beziehungen die Jerusalem-Angelegenheit, sowie die Beziehungen zu Katar und anderen Golf-Staaten erörtert. Türkei und Tunesien haben ihre Partnerschaft zu diesen und anderen regionalen Themen bekräftigt. Seit Beginn der Jasmin-Revolution hat die Türkei mit Krediten, Ausbildung der Sicherheitskräfte sowie Bereitstellung von Ausrüstung, immer hinter Tunesien gestanden.

Die positive Rolle der afrikanischen Staaten bei der Jerusalem-Abstimmung in der Vollversammlung der Vereinten Nationen, mit der die einseitige Entscheidung der USA zur Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt zurückgewiesen wurde, muss an dieser Stelle notiert werden. Dieser Umstand müsste eigentlich keine Überraschung sein. Denn die afrikanischen Nationen waren in den vergangenen Jahrhunderten selbst Opfer von Kolonialismus, Besatzung, Rassendiskriminierung und Massenbestrafung und können deshalb die Leiden des palästinensischen Volkes am besten verstehen.

Darüber hinaus legt dies offen dar, dass der von Afrika eingenommene ganzheitliche Blickwinkel im Zusammenhang mit regionalen sowie globalen Entwicklungen nicht auf kurzfristige politische und wirtschaftliche Interessen, sondern vielmehr auf Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit beruht.

Auf den ersten Blick ist Afrika auf unverständlicher Weise subtil und vielschichtig. Auf der Weltbühne verdient Afrika eine gleichberechtigte Partnerschaftsbehandlung. Was Afrika benötig sind nicht neue Formen des Kolonialismus, sondern Frieden, Gerechtigkeit und Stabilität.



Nachrichten zum Thema