Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-01)

Die Afrika-Tour von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-01)

Wir begrüßen Sie herzlich zur unserer neuen Sendereihe, „Türkische Außenpolitik im Fokus“. In dieser Sendereihe werden wir Kommentaren von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Abteilung für internationale Beziehungen der Atatürk Universität Platz über die türkische Außenpolitik einräumen. In der ersten Sendereihe geht es um den jüngsten Afrika-Besuch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan.

Staatspräsident Erdoğan hat vom 24.-27. Dezember offizielle Kontakte im Sudan, Tschad und in Tunesien aufgenommen. Ziel der Afrika-Reise war es, die Afrika-Öffnung der Türkei zu vertiefen und in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit diesen Ländern in der Wirtschaft und Verteidigungsindustrie auszubauen. Die erste Station von Erdoğan war der Sudan, der einer der hoffnungserregenden Staaten im afrikanischen Kontinent ist. Dieses Land ist seit etwa 20 Jahren wirtschaftlichen und politischen Sanktionen ausgesetzt.

Staatspräsident Erdoğan wurde bei seinem Besuch im Sudan von etwa 200 Unternehmern begleitet und erweckte damit großes Interesse. Im Rahmen des Besuchs wurden bei Anwesenheit der jeweiligen Minister beider Länder auf den Bereichen der Politik, Wirtschaft, Kultur und gesellschaftlichen Themen insgesamt 13 Abkommen unterzeichnet. Das sudanesische Volk strömte mit Türkei-Fahnen auf die Straßen und begrüßte Staatspräsident Erdoğan.

Erdoğan besuchte während seines Aufenthalts auch die Insel Sevakin, die während der Herrschaftszeit des Osmanischen Reiches eine wichtige Hafenstadt war. Dort inspizierte Erdoğan die von der Türkischen Agentur für Kooperation und Koordination, kurz TIKA durchgeführten Restaurationsarbeiten. Für einen Wiederaufbau forderte Erdoğan seinen sudanesischen Amtskollegen Al  Baschir auf, die Insel für eine bestimmte Zeit der Türkei zur Verfügung zu stellen. Al Baschir reagierte positiv auf dieses Angebot. Nun steht zur Debatte, ob die Insel für 49 oder 99 Jahre der Türkei zur Verfügung gestellt wird. Die Insel Sevakin war ein Handelshafen des türkischen Staates im Roten Meer, die über eine strategische Position zu Ägypten und Syrien hat. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden mehrere Stellen der Insel bei Angriffen von Portugiesen auf die muslimischen Sultanate an den östlichen afrikanischen Küstenregionen zerstört. Danach stellte Portugal seine Souveränität über die Region her.

In 1513 wurde die Insel Sevakin von den Portugiesen erobert. Die Osmanen, die während der Herrschaftszeit von Yavuz Sultan Selim, Syrien und Ägypten eingenommen haben, hatten im Roten Meer wieder die Souveränität errungen und zahlreiche Regionen im Osten von Afrika von den Portugiesen befreit. Die Türkei will vor allem mit TIKA die historische Existenz auf Sevakin ans Tageslicht befördern und die Region wirtschaftlich und touristisch wiederbeleben. Mit einer Zusammenarbeit mit dem Sudan und Maßnahmen kann die Türkei der Gewährleistung der Sicherheit in der Umgebung des Roten Meeres beitragen. Somit kann die Türkei in naher Zukunft dem Frieden in Somalia und im Jemen Beitrag leisten.

Nach Abschluss seiner Kontakte im Sudan reiste Erdoğan mit einer großen Delegation bestehend aus Geschäftsmännern weiter nach Tschad. Die politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Tschad reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück. In jüngster Zeit wurden in den Beziehungen zwischen beiden Ländern wichtige Fortschritte verzeichnet. Der damalige Ministerpräsident Kalzeube Payimi Deubet hatte im Dezember 2014 der Türkei einen offiziellen Besuch abgestattet. Bei dieser Visite wurden mehrere Abkommen unterzeichnet. Staatspräsident Erdoğan wurde beim Tschad-Besuch auch von Generalstabschef Hulusi Akar begleitet. Tschad spielt in den letzten Jahren beim Antiterrorkampf in der Region eine aktive Rolle. Daher war der Tschad-Besuch von Bedeutung. Bei dem Arbeitsforum zwischen der Türkei und Tschad wurden in verschiedenen Bereichen mehrere Kooperationsabkommen unterzeichnet, die der Intensivierung der bilateralen Beziehungen beitragen werden.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Tunesien werden auf Ebene von tiefgreifenden historischen- und kulturellen- Banden fortgesetzt. Zwischen beiden Ländern finden in bestimmten Zeitabständen gegenseitige Besuche statt, wobei Meinungsaustausch über unterschiedliche Themen geführt wird. Die Existenz von Türken in Tunesien seit über 300 Jahren ist ein Faktor für die Nähe zwischen dem türkischen und dem  tunesischen Volk.

Der damalige Regierungschef Hammadi Jebali hatte bei seinem Türkei-Besuch im Dezember 2012 die gemeinsame politische Deklaration signiert, die die Bildung eines hochrangigen strategischen Kooperationsrats vorsah. Während des Tunesien Besuchs von Staatspräsident Erdoğan vom 5.-6. Juni 2013 fand die erste Tagung des türkisch-tunesischen hochrangigen strategischen Kooperationsrates statt. Es wurden in verschiedenen Bereichen insgesamt 21 Abkommen, Aktionspläne sowie 24 Partnerstadt-Protokolle unterzeichnet. Bei dem jüngsten Besuch Ende 2017 wurden die bilateralen Beziehungen weiter bestätigt.

Vor etwa 10 Jahren gab es in den Gedanken verschiedene Zweifel über die Afrika-Politik der Türkei. Heute sieht es danach aus, dass diese Zweifel nicht mehr existieren. Die Türkei verfügt über eine starke Präsenz in Afrika, die aus politischer, kultureller, strategischer, militärischer und wirtschaftlicher Perspektive äußerst wichtig ist. Das Interesse in Afrika gegenüber der Türkei wird keinem anderen westlichen oder islamischen Staat gezeigt. Die von Staatspräsident Erdoğan bei seinen Kontakten in den Ländern in der Region zum Ausdruck gebrachte Philosophie unter dem Motto, „Afrikanische Lösungen für Afrika“, löste ein ernstes Echo aus. Mit dem jüngsten Afrika-Besuch ist die Zahl der afrikanischen Staaten, die Staatspräsident Erdoğan besucht hat, auf 28 gestiegen. In diesem Rahmen fliegt Turkish Airlines in 32 afrikanischen Ländern insgesamt 51 Destinationen an.

Die Existenz der Türkischen Maarif Stiftung und Vertretungen der Türkischen Agentur für Kooperation und Koordination TIKA und türkischen Nichtregierungsorganisationen in verschiedenen afrikanischen Ländern spielen eine wichtige Rolle in den türkisch-afrikanischen Beziehungen. Die bilateralen Beziehungen spielen im Rahmen der internationalen Beziehungen eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang bietet die Türkei Afrika ein großes strategisches, politisches, kulturelles und wirtschaftliches Potential. Staatspräsident Erdoğan bemüht sich um die Ausschöpfung dieses Potentials.



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