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Globale Perspektive (2018-03)

Wenn Jerusalem fallen sollte

Globale Perspektive (2018-03)

Jerusalem ist für Muslime, Christen und Juden eine heilige Stadt… Es ist die erste Kibla der Muslime und ein Ort, von wo aus der Prophet Mohammed in den Himmel aufstieg. Wie der Dichter Sezai Karakoç sagt; Es ist die Stadt, die im Himmel geschaffen und auf die Erde abgesetzt wurde.  In der Stadt lebten nach der Eroberung vom osmanischen Herrscher Yavuz Sultan Selim im Jahre 1516, , 401 Jahre lang also bis 1917 Menschen aus verschiedenen Religionen in Frieden miteinander. Es ist so, dass während des mehrere Jahrhunderte dauernden Friedens, entgegen der heutigen Wahrnehmung, mit Mekka und Medina, Jerusalem ein Ort war, von wo aus der Frieden in Nahost und von dort aus in die ganze Welt verbreitet wurde. Mit der Verwandlung in eine Blutlache durch Israel und anderen Entwicklungen, wird der Nahe Osten nun als ein Sumpfgebiet bezeichnet.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für politische Wissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Jerusalem-Entscheidung der USA und Reaktionen

Gegen die Entscheidung der USA, Jerusalem zur Hauptstadt von Israel zu erklären, hat sich die ganze Welt vereint. Trotz der offenen, groben und respektlosen Drohungen, zeigten alle Länder gegen diese Entscheidung eine stolze Haltung. Im UN-Sicherheitsrat waren die USA mit 14 zu 1 mutterseelenallein. Im UN-Sicherheitsrat beugten sich nur acht Länder gegen die Erpressung. Die islamische Welt, EU-Staaten, Afrika, Lateinamerika, Fernostländer haben beispielhaft  gemeinsam agiert. Neben fast allen Ländern, wurde gegen diese Entscheidung auch in den USA und Israel protestiert. Hierbei sollte auch auf die Rolle der Türkei als Ratspräsident der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) hingewiesen werden. Dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit den EU-Staats- und Regierungschefs, Putin, Papst und anderen Funktionären gesprochen hat,  war für eine gemeinsame Haltung wichtig. Jerusalem hat die muslimischen Länder, die viele Probleme miteinander haben, wieder vereint.

Zudem hat es die EU und die muslimischen Länder wieder für ein gemeinsames Ziel zusammengeführt. Wir hoffen, dass die Jerusalem-Entscheidung bei der Palästina-Angelegenheit ein globales Bewusstsein schafft. Der globale Konsens gegen diese Entscheidung wird auch ein Anlass dafür sein, dass in Palästina eine auf Zeit gestreute ethnische Säuberung verhindert und eine auf Recht beruhende Haltung überlegen wird. 

Wenn die Welt sich nicht gewehrt hätte? Was wäre wenn Jerusalem gefallen wäre?

Die Jerusalem-Entscheidung der USA zeigt, dass auch Fälle, von denen man annimmt, dass sie schlecht sind, auch zum Guten führen können. Wenn kein Widerstand gezeigt worden wäre, wäre  Israel wie der verstorbene türkische Ministerpräsident Necmettin Erbakan einst sagte, für das versprochene Land, das sich von den Territorien der Länder in der Region bis zum Tigris und Euphrat erstreckt, noch mehr ermutigt.  In Anbetracht der für die Region und Menschheit ausgehenden Gefahr, wird die Bedrohung, die durch ein „Groß Israel“ resultieren wird, noch verständlicher. Der von den zionistischen Juden ausgehenden Gefahr, die hinter dem Ideal des versprochenen Landes hinterher rennen und sich als das gewählte Volk repräsentieren, sind sich auch wohl nicht so denkenden, nicht rassistischen und nicht faschistischen Juden bewusst. Es ist noch in den Sinnen, was für ein Unheil das Nazi-Regime in Deutschland für die Menschheit angerichtet hat. Wenn kein Widerstand gegen die Jerusalem-Entscheidung der USA gezeigt worden wäre,  würde eine ähnliche Ideologie des „auserwählten Volkes“ noch mehr ermutigt werden.

Dass gegen die Jerusalem-Entscheidung der USA die EU und islamische Länder gemeinsame Reaktion gezeigt haben, hat noch einmal dargelegt, dass die in letzter Zeit zwischen dem Islam und Westen angespannten Beziehungen nicht unbedingt über die absolute Gegensätzlichkeit zu bewerten sind. Wenn kein Widerstand gegen die Entscheidung der USA gezeigt worden wäre, wäre ein Weltverständnis, in dem auf der Welt die Stärkeren dominieren, noch mehr gestärkt. Auch die Widerstandskraft der unterdrückten Menschen wäre stark angeschlagen. Wenn im Zusammenhang mit Jerusalem keine globalen Bemühungen gezeigt worden wären, dann würde die gelernte Hilfslosigkeit noch mehr gestärkt und die Hoffnungen der Hilflosen verdunkelt werden. Wenn dieser Entscheidung die Menschheit tatenlos zusehen würde, wie könnten wir in die Augen des stolzen palästinensischen Mädchens Aheed blicken? Wer hätte noch den Mut, den Namen der US-amerikanischen Friedensaktivistin Rachel Corrie zu erwähnen, die während ihres Widerstands gegen die Zerstörung der Hauser von Palästinensern von den Bulldozern Israels platt gefahren wurde.

Der Nazismus sollte nicht noch einmal kommen, der jüdische Nazismus sollte verhindert werden…

Nun, sollte man sich damit zufrieden geben?

Natürlich nicht. Denn wenn Jerusalem fällt, würde man alle oben erwähnten positiven Dinge auf den Kopf stellen. Am meisten sollten die freiheitlichen Juden Widerstand leisten, damit Jerusalem nicht fällt. Ansonsten werden sie es sein, die verlieren. Wie es im deutschen Nazismus die ersten, die verloren hatten, die Deutschen waren. Die Menschheit musste für den deutschen Nazismus teuer bezahlen. Es nicht nur eine Angelegenheit der Muslime, Christen oder Juden. Jerusalem ist eine Angelegenheit der Menschheit. Denn wenn Jerusalem fällt, gehen auch das Gewissen, die Justiz und die Menschheit verloren.



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