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Globale Perspektive (2018-05)

Wie können die regionalen Krisen mit globalen Akteueren nicht gelöst werden?

Globale Perspektive (2018-05)

 

                             

Vergangene Woche hatten wir kurz angesprochen, dass mit globalen Akteuren die regionalen Krisen nicht gelöst werden können. Heute möchten wir dieses Thema weiter vertiefen.

 

Wir bringen eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften der Ankara Yıldırım Beyazıt Universität.     

In der jüngeren Geschichte konnte nirgendswo Stabilität hergestellt werden können, wo auch immer die internationalen Koalitionen unter Führung der globalen Akteure eingegriffen haben. Ganz im Gegenteil, wo auch diese globalen Akteure waren, haben sie eine dauerhafte Instabilität hinterlassen. In den meisten dieser eingegriffenen Länder waren noch mehr Todesopfer zu beklagen. Zudem führten sie zu Tränen, Massenwanderungen und wirtschaftliche Krisen.

Daher war es  auch nicht mehr möglich, in diesen Ländern zu leben. Ein Blick in die jüngere Geschichte wird diese bittere Wahrheit vor die Augen führen. Die Sowjetunion ist Geschichte geworden. Doch die mit der Sowjetunion begonnene Afghanistan-Krise, hält trotz des vielen Leides immer noch an.

Es ist richtig, dass Saddam ein Diktator war. Unter diesem despotischen Regime kam es zu sehr ernsthaften Benachteiligungen. Doch nachdem die Iraker gesehen haben, wie ihr Land nach der Intervention der globalen Akteure heute aussieht, wie viele würden wohl sich den heutigen Irak wünschen als den Irak unter Saddam? Nachdem Libyen durch Intervention globaler Akteure geteilt und geplündert wurde,  wie viele Libyer haben wohl noch Hoffnung für die Zukunft ihres Landes. Und in Syrien? Wo der überwiegende Teil der in diesem Land lebenden Menschen flüchten mussten, hunderttausende Menschen getötet wurden und die Städte der Zivilisation wie Damaskus und Aleppo nicht mehr wiedererkannt werden können. Was für eine Zukunft kann noch für dieses Land prophezeit werden? Pakistan, das wegen des mehrere Jahrzehnte dauernden Krieges den größten Preis bezahlen musste, ist durch die Drohungen der USA, gegenwärtig mit einer größeren Krise konfrontiert. Was hat der Vertrag von Dayton den bosnischen Muslimen gebracht, den Alija, einer der tugendhaftesten Staatsmänner der Menschheit durch Drohungen, Erpressungen und nicht erfüllte Versprechen gezwungen war, zu unterschreiben. Die bosnischen Muslime in Massengräber beerdigenden serbischen Mörder sind vom internationalen Gericht verurteilt worden. Doch in Bosnien-Herzegowina, das von Serben, Kroaten und Bosniern  geteilt wurde, kann kein Schritt mehr gesetzt werden.

Die Arakan-Muslime, deren Häuser durch Myanmar in Brand gesetzt und zu Flucht gezwungen wurden, liegt momentan nicht im Interessenbereich der globalen Akteure, da sie Zuflucht in Bangladesch gefunden haben und wegen der Ferne nicht nach Westen kommen können. Es ist ungewiss, ob nach einem Interesse eine faire Lösung gefunden werden kann.

Wie die Lage durch die Eingriffe globaler Akteure im vergangenen Jahrhundert in Palästina ist, kann man ganz offen sehen.  Palästina, das   wegen der Besatzung Israels jeden Tag  an Territorien verliert und die Palästinenser, deren Freiheit jeden Tag eingeschränkt wird und sie in den Voraussetzungen eines Freilicht-Gefängnisses leben müssen. Zweifelsohne können noch mehr Beispiele eingebracht werden.  Leider betreffen alle dieser oben erwähnten Krisen die Geographien, in denen Muslime leben. Dieser Umstand bedarf einer gesonderten Erklärung.

Warum werden die Krisen durch Eingriffe globaler Akteure dauerhafter?

Vielleicht ist der Hauptgrund, die Gesinnung der globalen Akteure. Der Grund dafür ist, dass sie die internationale Politik nicht unter den Gesichtspunkten des Prinzips, der Gerechtigkeit und der Werte, sondern unter dem Interessenaspekt betrachten. Diese Betrachtungsweise wird durch die Worte von Kati Piri, der Türkei-Berichterstatterin des Europaparlaments deutlich, die gesagt hat, dass die Terrororganisation PKK, die 40 Tausend Menschen ermordet hat, für sie keine Bedrohung darstellt. Diese Betrachtungsweise ist im Namen der Menschheit eine beschämende und besorgniserregende Haltung, die über den Terror nicht besorgt ist, solange nicht selbst angegriffen wird.

Diese Haltung ist für unsere Zivilisation unbekannt. Wir können kein Problem aus imperialistischer Sicht betrachten.

Diese Betrachtungsweise, die überhaupt keine Prinzipien kennt und jedes Mittel zum Zweck nutzt und jeder Zeit manipulieren kann, können wir nicht aneignen. In unserer Zivilisation hat auch der Krieg ein Recht. Wir haben eine Betrachtungsweise, die das Recht nicht zum Mittel eines Kriegs verwandelt, sondern auch dem Krieg einen rechtlichen Rahmen gibt. Nur so kann der Krieg für uns eine Legalität haben. Die globalen Akteure, die eine auf Interessen ausgerichtete Außenpolitik haben und jedes Mittel zum Zweck nutzen, haben zweifelsohne die gleiche Haltung gegenüber den  Krisen in unserer Region. In diesem Rahmen sind die globalen Akteure selbst die Ursache von Krisen in unserer Region. Sie  können, um sich gegenseitig zu schaden, wie des Öfteren zu sehen ist, die Unterstützer von regionalen Krisen sein. Sie können die Länder in der Region und die hier lebenden Menschen im Sinne ihrer imperialistischen Zwecke als Sturmbock nutzen, um anderen Schaden zuzufügen. Die globalen Akteure wünschen sich, dass die Krisen anhalten, wenn auch sie nicht selbst die Krisen verursacht haben und entwickeln eine Politik in diesem Sinne. Die Haltung der USA in Syrien ist ein konkretes Beispiel dafür. Die globalen Akteure können wegen ihrer immensen Waffenverkäufe, die regionalen Krise als eine wirtschaftliche Gelegenheit für sich sehen.

Auf der anderen Seite lassen sich  die globalen Akteure von Benachteiligungen, die durch diese regionalen Krisen entstehen, nicht beirren. Die Präsenz der globalen Akteure in der Region ist nicht dauerhaft. Die Streitigkeiten unter den Völkern dieser Region wird sie nicht beeinträchtigen.

Aus den oben erwähnten Gründen, sollten für eine Lösung, nicht die internationale Koalition, die überhaupt keinen Preis bezahlen wird, sondern regionale Koalitionen gesucht werden. Zweifelsohne sind nicht nur die globalen Akteure, die Ursache des Problems. In den meisten Fällen sind die eigentliche Ursache dieser Krisen und die Gründe für das Eingreifen globaler Akteure, die Haltung von Ländern der Region. In diesem Zusammenhang sind die Fehler der Länder in der Region ein Thema eines anderen Artikels. Ich spreche hier von Methoden, die bei der Lösung der regionalen Krisen anzuwenden sind oder von Konsequenzen falscher Methoden.  Wenn nach einer  Lösung nicht auf regionaler Ebene gesucht wird, werden vom Toben regionaler Akteure die Länder in der Region benachteiligt werden. Wir können sehr berechtigte Kritik gegenüber der Politik von Nachbarländern haben, die auf Expansion, Konfessionalismus und Rassismus ausgerichtet ist. Wegen dieser Politik der Länder in der Region können wir über die regionalen Lösungsversuche zu Recht verärgert sein. Doch wie aus den oben erwähnten Beispielen zu entnehmen ist, vertiefen sich durch das Eingreifen der globalen Akteure die regionalen Krisen.

Da die Krisen von Dauer werden, werden sie auch offen zu internationalen Interventionen. Dieser Umstand spielt die Menschen, die seit Tausend Jahren auf der gleichen Geographie leben, noch mehr gegeneinander auf. Es macht die Geographie, auf der sie leben, wertlos. Aus diesem Grund sollten die regionalen Krisen, was auch der Preis sein soll, von den Ländern der Region gelöst und alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

 

 



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