Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-18)

Türkei setzt ersten Schritt zur Nuklearenergie.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-18)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Der Grundstein des ersten Atomkraftwerks der Türkei in Mersin Akkuyu ist vor kurzer Zeit mit einer Zeremonie mit Teilnahme von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und des russischen Präsidenten Wladimir Putin gelegt worden. In der heutigen Folge wollen wir das Thema Atomenergie und die Türkei unter die Lupe nehmen.Die Grundsteinlegungszeremonie des Akkuyu Atomkraftwerks wurde am 3. April in Beştepe mit Teilnahme von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin per Videokonferenz verwirklicht.

Seit den 1950er Jahren steht das Thema sichere Energiequellen auf der vordersten Reihe der Tagesordnung der Welt. Die Anfang der 70er Jahre aufgetretene Erdölkrise intensivierte die Suche nach neuen Energiequellen und Atomenergie. Als eine ununterbrochene Energiequelle wahrt die Atomenergie in der Gegenwart ihre Bedeutung. Bei der Stromerzeugung wird der Anteil der Kernenergie ständig immer größer. Derzeit werden in 31 verschiedenen Ländern über 400 Atomkraftwerke betrieben. Den ersten Platz belegen mit 104 Kernkraftwerken die USA gefolgt von Frankreich mit 58, Japan 54, Russland 32, Südkorea 20, Indien 19, Deutschland 17, China 16 und die Ukraine mit 15 Atomkraftwerken.

Beim Bau von neuen Atomkraftwerken treten China, Russland und Indien in den Vordergrund. China betreibt 16 Atomkraftwerke und will 28 weitere bauen. In Bulgarien befinden sich 2, Finnland und Frankreich jeweils 17 Atomkraftwerke in Bau. In einem Umkreis von 200 Kilometern von Paris befinden sich insgesamt 3  und in Madrid 3 Krenkraftwerke. Das Atomkraftwerk Bradwell ist nur 70 Kilometer von London entfernt.

Die Türkei deckt ihren Bedarf an Erdgas und Flüssigtreibstoffen, die bei der Energieerzeugung verwendet werden, fast völlig und den Bedarf an Kohle zu 30 Prozent aus dem Ausland. Wenn die Türkei ihr Potential an Wasserkraftwerken, Windenergie, Thermalenergie und andere erneuerbare Energiequellen, völlig ausschöpfen sollte, wird sie damit bis 2023 nur etwa die Hälfte ihres Eigenbedarfs decken können. Neben der Deckung des Strombedarfs will die Türkei bis 2023 die Exportsumme auf 500 Milliarden Dollar und das Pro-Kopf Einkommen auf 25tausend Dollar ausbauen und mit einem Nationaleinkommen von 2 Billionen Dollar ihren Platz unter den 10 größten Wirtschaften der Welt einnehmen. Daher hat die Türkei so gut wie keine andere Wahl, als Atomkraftwerke zu bauen.

In der Türkei reichen die Initiativen für Kernenergie bis zu den 50er Jahren zurück. Es ist ein großer Verlust für die türkische Wirtschaft, weil sie in den vergangenen 60 Jahren kein Kernkraftwerk bauen konnte. Südkorea, das zur selben Zeit mit der Türkei Arbeiten für Atomenergie einleitete, hat innerhalb von 20 Jahren im Thema Nuklearenergie wichtige Fortschritte verzeichnet. Die Türkei hat leider den Grundstein für das Atomkraftwerk Akkuyu erst in 2018 legen können. Die während diesem Prozess gegen den Bau eines Atomkraftwerks gestellten Hindernisse haben zum Energieimport geführt, was in der Gegenwart zu den größten Problemen der türkischen Wirtschaft darstellt.

Nach den Zahlen des türkischen Energieministeriums wird mit der Inbetriebnahme der Atomkraftwerke Akkuyu und Sinop etwa 20% des Energiebedarfs der Türkei gedeckt werden.  Damit kann die Türkei jährlich 16 Milliarden Kubikmeter weniger Erdgas importieren und etwa 7,2 Milliarden Dollar sparen.

Hinter der Planung der Atomenergie in einem Land steckt Design, Ingenieurswesen, Vertrieb, Qualitätskontrolle, sowie eine besondere technologische Kultur. Aus diesem Grund bilden fortgeschrittene Technologien wie Atomenergie nicht nur eine Alternative für Stromerzeugung dar. Solche fortgeschrittene Technologien leisten Ländern wichtige Vorteile. Als Beispiele dazu können das Lernen von neuen Produktionstechnologien, sowie deren Entwicklung der Ausbau von wissenschaftlicher- und technologischer Kapazität, Qualitätskontrolle sowie die Gewährleistung der Qualität, die Gründung und der Vertrieb von neuen Arbeitssektoren, Schaffung von neuen Arbeitsbereichen und Beschäftigungsmöglichkeiten genannt werden.

Südkorea ist ein Beispiel für Länder, die den Transfer von Nukleartechnologie erfolgreich durchgeführt haben. Die Erfolge dieses Landes sind jedem bekannt. Die Nukleartechnologie wird der Einbettung der wissenschaftlichen- und technologischen Kultur der Erhöhung der technischen Bildungsqualität wichtige Beiträge leisten Auf der anderen Seite wird sie eine vorantreibende Kraft werden.

Mit dieser Technologie werden sowohl in der Türkei als auch in Russland neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Es wird bei der Ausbildung von hochqualifizierten Experten eine Zusammenarbeit geben. Derzeit befinden sich in russischen Universitäten über 220 türkische Studenten, die eine Bildung in Nuklear-Technologie erhalten. Es wird geplant, das Atomkraftwerk Akkuyu in 2023 in Betrieb zu nehmen. Eine erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes wird ein Anzeichen für die türkisch-russische Zusammenarbeit sein.

Für eine Festigung ihrer Position in der Region und weltweit muss die Türkei auch im Thema Energie wichtige Fortschritte erzielen. Der Schritt zur Nuklearenergie wird aus Sicht der Entwicklung der Türkei, des Wohlstands, Energie-Unabhängigkeit, Sicherheit und Souveränität eine große Investition sein. Das ist nicht nur für die Türkei, sondern auch für den Frieden und Wohlstand in Eurasien und Nahost ein wichtiger Fortschritt.



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