Globale Perspektive (2018-33)

Eine Positionierung nicht mit der Niederlagen-Psychologie, sondern mit Selbstbewusstsein

Globale Perspektive (2018-33)

 

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara

Eine Positionierung nicht mit der Niederlagen-Psychologie, sondern mit Selbstbewusstsein

In den vergangenen Wochen hatten wir im Zusammenhang mit dem Westen von drei Positionierungen gesprochen; und zwar von der sich ergebenden, ablehnenden und besonnenen Positionierung. Die sich ergebende und ablehnende Positionierung können als zwei Gegensätze gesehen werden. Doch zwischen beiden gibt es eine enge Beziehung. Unter den im Westen lebenden Migranten und Muslime können die beiden jeweils für das andere Legalität bilden. Die von ihren Werten gänzlich abgekoppelten und in der fremden Gesellschaft verlorengegangenen und sich ergebenden Menschen können für die ablehnenden Menschen als eine Quelle der Legalität sein. Das Umgekehrte ist auch richtig. In der Haltung des Ablehnens sich von der fremden Gesellschaft gänzlich abgekoppelten Menschen können die Haltung des sich Ergebens anstiften. Da sowohl die sich ergebende und ablehnende Haltung nicht angeboren sind, kann es sein, dass sich nicht vollständig verinnerlicht werden. Da beide Haltungen radikal sind, müssen die Menschen in dieser Gesinnung sich wahrscheinlich jeden Tag davon überzeugen müssen.  Bei Fällen, in denen sie nicht vollständig verinnerlicht worden sind, können Übergänge stattfinden; und zwar vom sich ergebenden und ablehnenden.

Dieser Umstand erklärt, warum auch von den Menschen, die überhaupt keine Beziehung zu Religion haben, Bars betreiben, Alkohol konsumieren und anscheinend sich völlig assimiliert haben, zu DAESH zulaufen. Sowohl die ablehnenden als auch die sich ergebenden Menschen werden keinen positiven Beitrag für die Gesellschaften leisten, in denen sie leben.

Keine Positionierung mit der Niederlagen-Psychologie, sondern mit Selbstbewusstsein

Weit über dem sich ergeben und ablehnen, ist gegenwärtig im Westen der besonnene und selbstbewusste Ansatz wie bei Said Halim Pascha nötig. Dass Said Halim Pascha trotz der ganzen Brutalität und Belagerung des  Ersten Weltkriegs eine von Reaktion ferne und besonnene und gar heute für viele Denker unerreichbare Haltung damals zum Ausdruck gebracht hat, sollte fett unterstrichen werden. In den westlichen Gesellschaften ist die Quelle für die sich ergebende und ablehnende Haltung eigentlich die Voraussetzungen in der fremden Gesellschaft. Doch darüber hinaus können die Migranten des Öfteren die sich ergebende und ablehnende Haltung mit der eigenen Ideologie, Kultur oder Religion begründen. Wenn die Sache aus der Perspektive der Muslime betrachtet wird, kann eine Religion wie der Islam, der für sich beansprucht, die Probleme von Adam bis zum heutigen Menschen zu lösen, für Nichts ein Anti bilden. Er selbst ist persönlich ein Anspruch, eine Vision und eine Möglichkeit. Er ist persönlich die gründende Macht. Der Islam beginnt damit, dass alle anderen mit dem Wort „La“ abgelehnt werden. In der Praxis hingegen ist die Wissenschaft das verlorene Gut der Muslime. Es ist gesagt worden, für die Wissenschaft sogar nach China zu gehen. „Was ist die Wissenschaft? Es ist Wissen, Technik, Methode und Praxis. In diesem Zusammenhang können die Beziehungen des Propheten Mohammed in Mekka mit den Ungebildeten wegweisend sein. Denn die damalige ungebildete Gesellschaft in Mekka war der Tiefpunkt der Menschheit.

Die von Prophet Mohammed mit dieser Gesellschaft aufgebaute Beziehung wird für die Beziehungen mit den weniger bösen Gesellschaften, Lebensweisen und Ideologien wegweisend sein. Der Prophet baute drei Arten von Beziehungen mit der damaligen ungebildeten Gesellschaft in Mekka auf. Zwischen den Taten des Propheten wie Bekleidung und Bart und dem Verhalten dieser Gesellschaft gibt es keinen Unterschied. In diesen Themen hat der Prophet keine Änderungen vorgenommen. Der Prophet hat mit einigen Taten, einigen Haltungen die ungebildete Gesellschaft in Mekka korrigiert, geändert. Beispielsweise hat er seinen Bart kürzer geschnitten. Es gab einige Taten, womit er die von der Gesellschaft in Mekka gemachten Sachen völlig abgelehnt hat. Die drei Herangehensweisen des Propheten, die auch als ein analytischer Ansatz bezeichnet werden kann, ist beim Blick nach Osten, Westen, Süden, Norden sowie in die Moderne, Postmoderne, Globalisierung und in jeden Lebensbereich sehr sinnvoll und erklärend. Die sich ergebende Haltungen können uns davon entfernen, was wir sind. Ganz ablehnende Haltungen führen unsere Jugend zu den radikalen Strömungen wie DAESH. Daher ist ein Grundsatz im letzten Zivilrecht der Osmanen  „Mecelle“ von Bedeutung. Der besagt, dass das Wichtigste im Leben die Freiheit ist. Diese Betrachtungsweise ist für diejenigen, die in die Niederlagen-Psychologie geraten sind, von enormer Bedeutung.  Die in der Tanzimat gezeigten Reaktionen pendeln im Grunde zwischen reaktionärer und ergebender Haltung.  In diesem Zusammenhang treffen die Ansätze zu Tanzimat nicht nur für die damalige Zeit zu. Wir erleben die Konsequenzen des Prozess, der mit Tanzimat begann, noch heute. Gegen die Prozesse, die heute noch fortdauern, werden Reaktionen gezeigt wie in der Tanzimat-Periode. Jedoch können die Prozesse, die das Leben aus verschiedenen Perspektiven produzieren und ändern, nur beobachtet werden. Die Prozesse sind jene, die die Individuen, Gruppen, Institutionen und Länder herausfordern. Aus dieser Perspektive betrachtet, wurde sowohl in der Vergangenheit gegen die westliche Moderne als auch heute gegen die EU und Globalisierung keine sinnvolle Haltung entwickelt. Hier wurde bewusst von einer Alternative geredet. Zweifelsohne sind in einigen Situationen Alternativen zu entwickeln. Doch für jeden Umstand eine Alternative zu entwickeln, bedeutet, dass wir uns von anderen ausgrenzen und uns von Entwicklungen fern halten. In diesem Sinne sollten wir, womit wir auch konfrontiert werden, außerhalb des sich Ergebens und Ablehnens einen analytischen Ansatz bestimmen.

Auf der anderen Seite sollte man das Leben und die Situationen nicht als unlösbar sehen und sich abkapseln. Der Islam ist keine Religion, die erschwert, sondern er erleichtert. Der Islam ist ferner keine Religion des Radikalismus, sondern der Normalität. Im Endeffekt sollten wir uns  den Begriffen, Definitionen, Problemen, mit denen wir im Westen konfrontiert werden, ohne in die Niederlagen-Psychologie zu geraten, im Rahmen der Prinzipien unserer eigenen Werte selbstbewusst annähern. Es ist eigentlich die Geschichte unserer Wanderung, die in Chorasan begann und nach Anatolien und von dort aus nach Europa ging. Im Rahmen der allgemeinen Prinzipien unserer Werte haben wir uns mit allen Kulturen, mit denen wir begegnet sind, ohne auszuweichen, angereichert. Wie ein immer grösser werdende Schneeball, wurden alle Unterschiede, mit denen wir begegnet sind, wurden nicht die Quelle unserer Ängste, sondern unseres Reichtums. Die Lösung ist nicht so schwer, wie es angenommen wird: Wie beim Zirkel-Metapher von Mevlana erwähnt wird, mit einem Fuß sehr gut stützen und mit dem anderen sich der Welt öffnen. Während wir mit einem unsere Werte und Identität bildenden Fuß uns sehr gut stützen, werden wir auf der anderen Seite unser Denkvermögen bereichern und allen Unterschieden offen sein, die unser Leben erleichtern. Nun, kann eine richtige Positionierung alle Probleme lösen? Können wir damit unser Ziel erreichen. Wir werden weitermachen. 

 


Keyword: Kultur , Welt , Türkei , Programm

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