Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-41)

G20 und die Einflüsse auf die türkische Wirtschaft und Außenpolitik.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-41)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Karatekin Universität.

Die Türkei bietet mit ihren gegenwärtigen Risiken und wirtschaftlichen Chancen für die G20 eine wichtige Perspektive. Heute wollen wir die Einflüsse von der G20 auf die türkische Wirtschaft und Außenpolitik in die Hand nehmen. 

In einer Zeit, in der die Türkei auf regionaler und globaler Ebene betrachtet, ernsten wirtschaftlichen Risiken und Chancen gegenübersteht, stellt Ankara für G20 Länder eine wichtige Perspektive dar. In der Gegenwart, wo die Zukunft der Wirtschaft bestimmt wird, wird von der Türkei eine unterschiedliche Front der Diplomatie ins Leben gerufen. Im vergangenen Juli fand in Buenos Aires das Treffen der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G20-Staaten statt. Die Tagungen in Argentinien dauerten zwei Tage. Die Türkei wurde dabei von Schatz- und Finanzminister Berat Albayrak sowie dem Zentralbankpräsidenten Murat Çetinkaya vertreten. An dem Treffen beteiligten sich außerdem Vertreter des Internationalen Währungsfonds IWF, der Weltbank, sowie von Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und anderen internationalen Organisationen teil.

Die Vertreter von 20 Ländern, die etwa 85% der globalen Wirtschaft darstellen, kamen erstmals nach den Spannungen wegen der von US-Präsident Donald Trump gegen die Europäische Union, Kanada, Mexiko, China und anderen Ländern eingeführten Zollsteuern zusammen. Auf der Tagesordnung der Konferenz standen auch die Krypto-Währungen, Besteuerung, Beschäftigung während der Zeit der künstlichen Intelligenz, auf der Haupttagesordnung des Treffens.

Was aber ist die G20 in einer Zeit in der die Ökopolitik immer mehr an Bedeutung gewinnt, und welche Bedeutung hat sie für die Türkei?

G20 wurde am 26. September 1999 beim Treffen der Finanzminister der G7-Staaten gegründet. Die G20 ist eine internationale Organisation, wo die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrie- und Schwellenländern der Welt und EU-Funktionäre zusammentreffen. Bei den G20-Treffen werden Gespräche und Arbeiten bezügliche des Ausbaus der internationalen finanziellen Struktur geführt. Diese Gruppe repräsentiert vier Fünftel des globalen Bruttoinlandprodukten und drei Viertel des globalen Handels. Bei den G20-Tagungen werden neben Währungs- und Finanzpolitiken auch Themen wie Energie, Handel und Investitionen  besprochen.

Die G20 verfügt über kein offizielles Entscheidungsmechanismus. Jedes Mitglied bringt seine Ansichten zur Sprache und handelt nach dem Prinzip der Übereinstimmung.  Jedes Jahr wird nach Ende des Gipfels eine Deklaration veröffentlicht, in der die Ideen und Bedenken der Mitglieder zum Ausdruck gebracht werden.

Entgegen anderer internationaler Organisation hat die G20 keine ständigen Mitarbeiter. Der Generalsekretär und die Präsidentschaft werden turnusmäßig durchgeführt. Die Tagesordnung und die Redner des Gipfeltreffens werden von der vorherigen, gegenwärtigen und zukünftigen Präsidentschaft bestimmt. Der G20 sind auch andere Gruppen unterteilt wie die Denkfabrik T20, die Arbeitsgruppe L20 und Jugendgruppe Y20. Die Türkei gründete während ihrer Ratspräsidentschaft in 2016 die Frauenorganisation W20.  

Da die Türkei sowohl die Industrieländern als auch die größten Schwellenländer anspricht, geht sie davon aus, dass die G20 aus Sicht der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Koordinierung eine günstige Plattform darstellt und leistet deren Arbeiten aktive Beiträge.

(Die Türkei hatte am 1. Dezember 2014 die Ratspräsidentschaft der G20 übernommen und mit dem Gipfeltreffen am 15. und 16. November 2015 in Antalya sie beendet. Am 1. Dezember 2015 übernahm China die Nachfolge.)

Während das globale Wirtschaftssystem eine neue Form findet, ist die Türkei, nicht wie zuvor, nur ein ausstehender Beobachter. Einer in der G20 vertretenen Türkei kommt auf der Welt eine viel größere Bedeutung bei. In dieser Hinsicht kommt den anhaltenden EU-Beitrittsverhandlungen eine funktionelle Bedeutung bei. Wie der europäische Privatsektor mehrfach betont, ist für eine globale wettbewerbsfähige EU der Beitrag der Türkei von Bedeutung.



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