Globale Perspektive (2018-43)

Alija: Zeit zum Rückzug Izzet

Globale Perspektive (2018-43)

Das 20. Jahrhundert ist ein Jahrhundert, in dem der Wind für Muslime aus verkehrter Richtung wehte, die islamischen Gebiete eins nach dem anderen besetzt wurden sowie Druck und Zwang auf sie wie ein Albtraum drückte. Alija Izzetbegoviç ist in diesem Jahrhundert eine von wenigen Persönlichkeiten, die die schöne Seite der Zivilisation ohne auf den „harten Winter“ zu achten der Menschheit zeigen konnte. Alija ist ein Staatsmann, der in einem Jahrhundert, in dem der islamische Gedanke nicht mehr als eine Alternative gesehen wurde, sich dafür einsetzte, dass die Lösung beim islamischen Gedanken ist.

Die ersten Jugendjahre und die ersten Jahre im Gefängnis:: Mladi-Moslem

Alija Izzetbegoviç, der Namensvetter mit seinem Großvater ist, kam im Jahre 1925 in Üsküdar bei Istanbul zur Welt. Aus diesem Grunde fühle ich mich, bei Allija Izzetbegoviç und in Üsküdar, dem historischsten Stadtviertel von Istanbul dasselbe: Reife, Wissen und Anmut, die aus den Tiefen der Geschichte zu unserer Gegenwart kommen.  Das Jahr, in dem Alija zur Welt kam und die Jahre bis zu seiner Jugend sind vielleicht die heftigsten Jahre in der Weltgeschichte. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Im Grunde sind es erbarmungslose Jahre für die Muslime und insbesondere für die Balkan-Muslime. Die Sieger nach dem Zweiten Weltkrieg sind das stalinistische Russland und der Westen, der den Faschismus und Nazismus besiegt hat. Mit dem Untergang des osmanischen Reiches ist der Islam auf dem Balkan seit 200 Jahren keine Alternative mehr. In so einer Atmosphäre stößt Alija in den Jahren des Lyzeums mit seinen Freunden die Bewegung „Mladi-Moslem“ (Bewegung der jungen Muslime) an. Während die Bewegung unter ihren Mitgliedern versuchte, das islamische Bewusstsein zu erwecken, versucht sie auf der anderen Seite die Wunden des Kriegs zu heilen. Doch diese Bemühungen werden vom kommunistischen Regime nicht gutgeheißen. Alija muss schon in den ersten Jugendjahren für fünf Jahre ins Gefängnis.

Alija zwischen Ost und West

Nach dem Gefängnis führt Alija die Arbeiten fort, die er für sein Volk und die Menschheit vom Nutzen sieht. Während er seinen alltäglichen Tätigkeiten nachgeht, ist er auf der anderen Seite in einem intellektuellen Bemühen, um die gedanklichen Probleme des Jahrhunderts, in dem er lebte, zu überwinden. Die Arbeit „Islam zwischen Ost und West“ ist im Rahmen der weiten Islam-Vision von Alija eine Kritik sowohl an Westen als auch an Osten. Besser gesagt ist es ein Appell an Ost und West für Zusammenleben. Während er die positiven Entwicklungen im Westen würdigt, hat er auch einige Kritiken: „Ich gehe nach Westen nicht mit gesenkten Haupt. Denn wir haben keine Frauen und Kinder getötet. Denn wir haben keine Heiligtümer angegriffen. Die hingegen haben all das gemacht und das vor den Augen des Westens und im Namen der westlichen Zivilisation.“

Nach Ansicht von Alija sind die grundlegenden Probleme der islamischen Welt wie folgt: „voneinander abgekoppelt sein, fehlende Bildung sowie Unterschied zwischen dem Gesagten und Gemachten. Während Alija sagt, „Der Islam ist für mich das, was schön und edel ist“ ist sein folgender Spruch für die Muslime wie ein Apell sich selbst zur Rechenschaft zu ziehen: „Dass der Islam das Beste ist, ist Tatsache. Wir jedoch sind nicht die Besten. Es sind vielmals zwei Dinge, die wir verwechseln.“ Er hat auch folgenden Lösungsvorschlag: „Um Lehrer auf Erden zu sein, muss man der Schüler des Himmels sein.“

Kriegsjahre…

Vor der erneuten Teilung des Balkans ist Alija wegen seinem Buch “Das islamische Manifest” wieder im Knast. Er wird zu 14 Jahren verurteilt. Nachdem er fünf Jahre abgesessen hat, kommt er im Jahre 1988 durch eine Amnestie frei. Er gründet im Jahre 1990 die „Demokratische Aktionspartei.“ Nach den Wahlen wird Alija zum  ersten Staatspräsidenten seines Landes. Bosnien Herzegowina erklärt im Jahre 1992 seine Unabhängigkeit. Der Westen, der zuvor Kroatien und Slowenien bei ihren Unabhängigkeiten unterstützte, lässt mit seiner Heuchelei die Bosniaken vor den serbischen Angriffen auf sich allein. Am Ende sind es hunderttausende Tote, Verletzte sowie Flucht, Armut, Blut und Gräuel. Die Bosniaken sind am Ende des Jahrhunderts vor den Augen der Menschheit einem Völkermord ausgesetzt.

Alija hat sich in den Kriegsjahren zu einem weltbekannten Staatsmann entwickelt. Trotz der Armut und den Belagerungen hat er mit seiner Weisheit der ganzen Welt gezeigt, wie ein menschlicher/muslimischer Widerstand aussieht. Die Antwort von Alija  auf die Rache-Forderungen von Menschen wegen der von den Serben getöteten bosnischen Frauen und Kinder sind wie die goldenen Regeln der Kriegsethik.

“Wir haben nur eine Schuld gegen unsere Feinde: “Gerechtigkeit”

“Die Serben sind nicht unsere Lehrer”

“Wir verlieren den Krieg nicht wenn wir besiegt werden, sondern erst dann, wenn wir uns unseren Gegnern ähneln.”

Auf die Frage eines deutschen Journalisten während des Kriegs, warum er trotz dieses ganzen Gräuels nicht Rache gefordert hat und ob das mit der westlichen Zivilisation tun hat, in der er sich befindet, gibt er folgende Antwort: “Das Buch, an dem ich glaube, lässt dies nicht zu.”

Wenn die Ideale von Alija in Bosnien nicht ganz erfüllt sind, rührt es nicht daher, weil Alija oder seine Ideale nicht ausreichend sind, sondern daher, weil die moderne Welt unter der Führung der USA einer muslimischen Gesellschaft und einem Staat mitten in Europa nur so viel duldeten.  

Sein Erbe …

“Sie haben uns begraben. Doch sie wussten nicht, dass wir Samen sind.” Alija kann diese Worte für den Balkan gesagt haben. Doch dieser Ausdruck verbirgt auch die 200-jährige Geschichte der Muslime. In der 200 jährigen Zeit der Rückkehr hatten wir leider keinen Staatsmann, der unter dem dicken Schnee aufgeblüht und sich zu Schneeglöckchen entwickelt hat. Wie zuvor in unseren Artikeln mit dem Titel, „Was für eine Positionierung gegen den Westen“ können nicht  ablehnende oder sich nicht ergebende, sondern analytisch denkende und kritisch betrachtende Staatsmänner Lösungsvorschläge unterbreiten. Alija ist eine von wenigen Persönlichkeiten wie Said Halim Pascha, Ikbal, Akif, Raschid al Ganuschi, die sich auf die Botschaften des Islam für die Menschheit konzentrierten. Jene Staatsmänner, die unter dem enormen  Druck, Gräuel und den massenhaften Fehlern mit ihren Visionen ihren Stamm, Land und Volk nicht übertreffen können, haben ihren Gesellschaften nichts viel zu geben. Auf der anderen Seite haben die Muslime und  die Welt Staatsmänner wie Alija, die trotz des Gräuels und Hass mit der Reife, Weisheit und der Schönheit des islamischen Gedankens, in jeder Situation nach Gerechtigkeit suchen, bitter nötig.



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