Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-43)

Beziehungen zwischen Turkmenistan und der Nato sowie deren Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-43)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Karatekin Universität.

Als ein strategisch wichtiges Land in Eurasien baut Turkmenistan seine Beziehungen mit der Nato weiter aus. In der heutigen Folge unserer Sendereihe wollen wir die Beziehungen zwischen Turkmenistan und der Nato sowie deren Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik erörtern.

Die Beziehungen zwischen Turkmenistan und dem Nordatlantischen Pakt NATO reichen bis 1992, der Zeit nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion zurück. Turkmenistan trat wie die anderen ehemaligen Sowjetstaaten dem nordatlantischen Kooperationsrat bei. Diese Organisation nannte sich später Euro-Atlantischer Kooperationsrat EAPC.

Der erste turkmenische Staatspräsident Saparmurat Türkmenbaşı hat beim ersten Gipfel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki verkündet, dass die turkmenische Außenpolitik dem Prinzip für positive Neutralität treu bleiben wird. Aber dies konnte nicht verhindern, dass Turkmenistan im Mai 1994 dem Nato-Programm „Partnerschaft für Frieden“ beitrat. Der von der positiven zu einer dauerhaften Neutralität verwandelte Status Turkmenistans wurde im Dezember 1995 von der Generalversammlung Vereinten Nationen offiziell anerkannt. Trotzdem hat Turkmenistan noch im selben Jahr im Rahmen des Programms das erste individuelle Partnerschaftsprogramm angenommen und die Arbeiten mit der Nato fortgesetzt.

Die Nato nahm im August 2003 an dem im Rahmen der Terrorbekämpfung veranstaltetem Militärmanöver „Asuda Watan“ an der Küstenregion der Stadt Turkmenbaschi als Beobachter teil. Aber entgegen der Nachbarländer in Zentralasien hat Turkmenistan an den Nato-Manövern niemals teilgenommen, entsandte aber Beobachter, was der unparteiischen Einstellung von Staatspräsident Türkmenbaşı entsprach. Im Vergleich zu den andern zentralasiatischen Staaten blieb die Zusammenarbeit zwischen Turkmenistan und der Allianz begrenzt.

Nach dem Tod von Türkmenbaşı am 11. Februar 2007 wurde Gurbanguly Berdimuhammedov mit 89,23 Prozent der Stimmen zum zweiten Staatspräsidenten von Turkmenistan gewählt. Dieser setzte Schritte zur Belebung der Beziehungen mit der Außenwelt, einschließlich der Nato. Im November 2007 besuchte Berdimuhhamdov das Nato-Hauptquartier und kam dort mit Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zusammen. Bei Gesprächen wurden die regionalen Sicherheitsfragen in Zentralasien in die Hand genommen. Dabei wurde im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan, der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Turkmenistan und der Nato angenommen.  Im April 2008 nahm Berdimuhammedov in Brüssel am Nato-Gipfel teil.

In der Gegenwart setzt Turkmenistan seine Beziehungen mit der Nato fort. Turkmenische Funktionäre nehmen an verschiedenen Kursen der Nato und der Mitgliedsstaaten teil. Turkmenistan arbeitet mit dem Programm der Allianz, „Wissenschaft für Frieden und Sicherheit“, eng zusammen. Die Entwicklungen im Rahmen dieses Programms leisteten der Bildung der Internet-Infrastruktur von Turkmenistan großen Beitrag. Außerdem wurden Akademikern und jungen Wissenschaftlern neue Forschungsmöglichkeiten geboten. Der neutrale Status von Turkmenistan stellt kein Hindernis für eine Zusammenarbeit mit der Nato dar. Der permanente unparteiische Status Turkmenistans führt auch zu einem Gleichgewicht bei den Beziehungen mit Russland, China und dem Westen und verhindert eine Mitgliedschaft auf regionaler Ebene. Außerdem sollten die Bemühungen von Turkmenistan, sich mit der globalen Wirtschaft zu integrieren und noch mehr Zusammenarbeit und Dialog mit den Nachbarländern und internationalen Organisationen aufzunehmen, nicht übersehen werden.

In diesem Zusammenhang kann der Wunsch von Staatspräsident Berdimuhammedov, die militärische Reform und Modernisierung zu vollenden, Chancen für eine bessere Zusammenarbeit mit der Nato bieten.

Die Türkei, die über die zweitgrößte Armee unter den Nato-Staaten verfügt, unterstützt die Entwicklung der Beziehungen von Turkmenistan mit der Nato. Die Türkei und Turkmenistan sollten als Turkstaaten in der bevorstehenden Periode versuchen, umfangreiche Strategien zu entwickeln,  um die Beziehungen zwischen beiden Ländern in den Bereichen, Politik, Wirtschaft und Kultur auszubauen. Diese Strategien sollten mit einer mittel- und langfristigen Perspektive als Staatspolitik angewandt werden. Bei der Entwicklung von regionalen Wirtschaftspolitiken sollte zwischen NGOs, Behörden, Universitäten und Denkfabriken eine effektive Zusammenarbeit und Koordinierung gewährleistet werden.

Die Republik Türkei sollte die türkischen Firmen,  die große Projekte in Turkmenistan verwirklichen, unterstützen und sie überprüfen. Erfolgreiche Firmen sollten gefördert und die ein schlechtes Beispiel darstellenden Firmen eliminiert werden. Die Türkei sollte von den hochrangigen Funktionären dieser Firmen und dem technischen Personal aus Sicht der öffentlichen Diplomatie profitieren und sie bei Lobbyarbeiten benutzen.

Die Türkrepubliken, einschließlich Turkmenistan, nehmen einen wichtigen Platz in der türkischen Außenpolitik ein, die um ein Gleichgewicht bemüht ist.



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